Die Arbeit eines Personal Stylists

Folgende Werkfotos zeigen Ihnen einige inspirierende Beispiele dafür, wie ein Personal Stylist im Rahmen einer Beratung arbeitet.

1.      Die typischste und zugleich umfangreichste Aufgabe ist der komplette Image-Check des Kunden inklusive Modeberatung. Meine Kundin Angela litt unter dem „Ich-habe-nichts-anzuziehen-Syndrom”. Obwohl in ihrem Schrank viele passende Outfits hingen, wählte sie allzuoft grelle oder dunkle Farben, die ihr nicht standen. Mit ihrer blassen und empfindlichen Haut, der zierlichen Statur und ihrem kleinem Wuchs hatte es die Chemikerin aber auch nicht leicht. Ungeschminkt und mit zottelig-blassen Haaren kam sie zur Beratung und bat um Hilfe. Sie sehnte sich nach einer gründlichen Farb- und Stilberatung mit anschließendem Schrank-Check und einer persönlichen Shoppingberatung. Beim Probieren und Shoppen lernte sie viel dazu und konnte sich ihre „Lieblingsoutfits” besorgen: feminine Kleider und schlichte Kostüme. Zudem entstanden für sie beim Schneider farblich passende Mäntel in ihren Lieblinsfarben grün, rost und oliv, die die kälteempfindliche Fünfzigerin mit Vliesfuttern wärmten. Das „Projekt” dauerte ein halbes Jahr und beinhaltete auch das Maßschneidern einer völlig neuen Garderobe und den Einkauf von passendem Schuh- und Beiwerk. Durch die Beratung wurde Angela selbstsicher, hatte wieder Freude am Ankleiden und genoss die bewundernden Blicke ihrer Kollegen in dem Pharmaunternehmen. Das Budget: 3.500 Euro.


Es ist nicht einfach für einen angehenden Farbberater, die am besten zu einem Kunden passenden Farben zu finden. Selbstverständlich kann man anhand der Farbanalyse den Typ und die Skala der persönlichen Farben finden, aber man muss auch gewisse Vorlieben des Kunden, seine tagesaktuelle Gemütslage und seine Körperform berücksichtigen.

Da Farben eine Frequenz haben, resonieren sie nicht nur mit unseren Pigmenten (Haare, Haut usw.), sondern wirken auch auf unsere Umwelt. Diese gewollte und ungewollte Wirkung muss bei der Beratung in Betracht gezogen werden.

Nicht nur Garderoben, auch Filme haben eine Farbharmonie. Diese erkennt man auch als Laie sofort. Doch ist es ungleich schwieriger, für eine zu beratende Person die passenden Farben auszuwählen. Geht es um warme oder kalte Harmonien? Und wenn man die persönlich passende Farbskala gefunden hat: Welche Farben sind wirklich top? Welche Farbtypen favorisiert der Kunde? Er sagt schwarz, obwohl es ihm nicht steht. Der Berater empfiehlt rosa, weil es hervorragend aussieht, aber der Kunde sagt „Kotz!”. Was dann? Und noch schlimmer: Im Schrank des Kunden hängen zu 70 Prozent „falsche” Farben? Da steht man dann als Berater vor einer echten Herausforderung, denn man kann dem Kunden nicht sagen: Das muss alles weg! Es geht vielmehr darum, Lösungen zu finden, was davon „geduldet” werden kann.

Blonde Haare mag fast jede Dame. Aschblond? Honigblond? Hell oder dunkel? Und sollen die Farben eines dazu passenden Outfits eher warm oder eher kalt sein?

Ein geschulter Berater weiß es sofort.

2.      Frauen klagen gern, wie schwer sie es haben. So viele Farben, Muster, Schnitte und Outfittypen - die Mode, sie verführt immer aufs Neue.

Doch wer annimmt, Männern hätten es einfacher, der täuscht sich.


Schauen Sie auf die Bildfolge unten: Links sehen Sie die Originalfotos von zwei Herren in ihren jeweiligen Anzügen.

Rechts haben wir die Anzüge grafisch getauscht. Was meinen Sie: Wem steht die helle, beige Farbe, wem die kalte, dunkle Farbe? Wissen Sie’s?


Christian, der sportliche Manager (Bilder unten), wollte von uns wissen, welche Farben er im Alltag und im Büro tragen sollte. Nach einer Analyse stellten wir eine Farbskala zusammen. Christian freute sich sehr – auch darüber, dass keiner seiner Anzüge entrümpelt wurde, – und kaufte mit uns gemeinsam ein. Budget: 1.000 Euro.

Es geht bei einer Beratung natürlich nicht nur um Farben, sondern auch um Bekleidungsstile und Silhouetten. Klassisch, praktisch oder romantisch? Nicht nur der persönliche Geschmack und das Budget des/der Kunden/-in, sondern auch das Alter und der Beruf bestimmen die Zusammensetzung der Garderobe. Das Wissen um Körperformen und Schnitte, um Dress Codes und internationale Trends sind ein Muss für jeden Personal Stylist.

Opulent und farbenfroh, gemustert oder schlicht, androgyn und modern, traditionell oder modisch, verrückt oder zurückaltend? Die internationalen Trends sind vielgestaltig und bedeuten nicht unbedingt, dass wir sie eins zu eins umsetzen können oder sollen. Hat der/die Kunde/-in lange Beine, große Füße oder Übergewicht? Ist eine Dame vollbusig oder mager? Bei der Auswahl der Outfits sind viele Aspekte zu bedenken. Der/die Berater/-in muss daher bestens informiert und geschult sein, um langfristig wirksame Ideen zu vermitteln.

3.      Bei vielen Kunden geht es um das Selbstwertgefühl. Diese zwei Damen (die Bildreihen unten zeigen jeweils links die Ausgangssituation der beiden) wollten eine persönliche Beratung, da sie sich durch ihr Übergewicht unattraktiv fanden. In einem solchen Fall ist Fingerspitzengefühl bei den Farben gefragt – und Psychologie. Die Beratung ging in Richtung neue Haarfarbe, dezente Schminke und die Erörterung einiger Lieblingsfarben. Dann folgte das Zusammenstellen der neuen Outfits. Das Resultat: zwei glückliche junge Frauen. Budget: 300 Euro/Beratung.

Dame Nr. 1:


Ach, du meine Güte, sagte ich mit übertriebener Gestik (l.) zu der grau-braunen Garderobe der Kundin.

Oh, schön, meinte die Kundin nach der Schminkdemonstration (r.).


Und nun Dame Nr. 2:

Wie glücklich sie nach der Verwandlung ist, steht ihr geradezu ins Gesicht geschrieben, nicht wahr?

4.      Es gibt keine Pauschalfälle! Nicht alle Frauen fühlen sich schlecht in ihren Kleidungsstücken. Andrea (unten) wurde vor Jahren schlecht beraten und quälte sich seither mit der vorgeschlagenen Garderobe herum. Sie bestand aus starken Farben wie pink, royalblau und schwarz. Obendrein war sie in ihrem Beruf als Bänkerin dauernd in schwarz-weiß gekleidet. Kurzum, sie fühlte sich einfach nicht hübsch und weiblich. Nach dem Tod der Mutter entschied sich die Singlefrau für eine überprüfende Stil-Beratung. Ergebnis: Ihre neuen honigblonden Haare ließen ihre grünen Augen erstrahlen. Andrea blühte schon beim Shoppen auf. Sehr schnell verlor die große Frau einige Pfunde, wurde im Beruf befördert, und ist heute glücklich liiert. Letzteres verdankt sie nach eigener Aussage ihrem Image-Wandel. Budget: 800 Euro.

5.      Mode- und Stilberater werden auch gern von Kollegen aus anderen Branchen um Rat oder Hilfe gebeten. Folgende zwei Fälle geben ein Vorstellung davon. Fall 1: Ein Frisör wissen wollte, welche Farbe und welcher Schnitt am besten zu seiner Kundin, einer flotten Notarin, passen würde. Als Ergebnis der Analyse entstand eine etwas kürzere, eiskaffee-farbene Frisur (unten rechts). Fall 2: Die Abiturientin Sandra wollte wissen, wie sie sich als zukünftige Schauspielstudentin im Alltag und im Beruf schminken sollte (daneben, unten links). Der Make-up Artist zog einen Stylisten und einen Fotografen hinzu, um den perfekten Look zu kreieren. Honorar: 100 Euro/Assistenz



6.      Auch Fotografen arbeiten gerne mit Modeberatern, siehe einige Werkbilder oben. Sie wissen zu schätzen, dass ein Personal Stylist sofort erkennt, was dem/der Kunden/-in gut steht, und auch Augen dafür hat, dass während der Aufnahmen alles harmonisch wirkt und weder Haare noch Accessoires verrutscht sind. Außerdem wirkt eine „Assistenz” auf die „Models” beruhigend. Honorar: 200-500 Euro/ Tag, je nach Typ des Fotoshoots.

Natürlich sollten Make-up Artisten genau wissen, wie sie richtig schminken. Es geht nicht nur um die Technik, sondern auch um das Eingehen auf die Kundin und das Anpassen des Make-ups an den Stil des Events. Bei den Bildern rechts geht es „nur” um eine Modenschau und nicht um echte Bräute, aber trotzdem: Jammerschade, dass der Stylist hier nur in die Zusammenstellung der Outfits einbezogen wurde. Pandaaugen für die Braut, oh nein!

7.      Eine wichtige Frage stellte die unten gezeigte Dame: „Ich wiege 120 kg. Darf ich mich bunt kleiden”? Auf den Bildern sehen Sie die Antwort. Später wurde in einer Farb- und Stilberatung auch die Haarfarbe geändert. Budget: 3.000 Euro inkl. Maßschneidern und Shopping.

8.      Einige Kunden/-innen sind so wissbegierig, dass man den Eindruck hat, sie würden morgen gleich selbst als Modeberater arbeiten wollen. Cécile, eine junge Mutter und auf Händen getragene Ehefrau eines Unternehmers, wollte alles ganz genau wissen - unten. „Warum” und „Zeige mir ein Beispiel” waren die meistgesagten Worte während der Beratung. Wir ermittelten ihre persönlichen Farben und Schnitte, besprachen mehrere Frisur- und Schminkideen und nutzten das Shopping dazu, alles anzuprobieren und zu testen. Auf diese Weise gründlich „geschult”, erwartete Cécile mich an einem unserer Beratungstage mit einem selbst aussortierten Kleiderhaufen aus ihrem Schrank. „Das hier geht raus”, verkündete sie fachmännisch und packte freudig ihren Koffer mit den neu erworbenen Outfits für einen Miami-Urlaub. Budget: 1.500 Euro.

9.      Ein wichtiger Anlass gibt manchmal den letzten Schubser für den Entschluss, sich zu verändern. Die folgende junge Frau hatte Übergewicht. Zusätzlich war sie auch aufgrund ihrer Körpergröße nicht „zu übersehen”. Der Anlass, dass sie eine Beratung suchte, war, dass sie bald heiraten wollte. Welcher Schnitt steht mir am besten? Das war die große Frage, die sie beschäftigte. Soll es ein großer Krinolinenrock sein, der die Hüften kaschiert? Oder besser etwas Anschmiegsames, um größer und schlanker zu wirken? Darf man überhaupt die fülligen Oberarme zeigen? Sind zurze Haare schlimm für die Hochzeit? Als weiterer wichtiger Aspekt spielte bei ihrem Bratngswunsch mit, dass die junge Dame mit süßem Gesicht eine Anfrage als Plus-size-Modell hatte. Wie wäre es, fragte sie daher,  wenn wir während der Beratung alles gleich fotografieren und die besten Bilder als Portfolio nutzen? Genau so haben wir es gemacht. Budget: 1.000 Euro.

                                                                                                                                                                  Und der Gewinner ist - unten:

10.  Einen Spezialfall unter den Aufgaben eines Beraters stellen Fotoshoots dar, die weder Beratungen sind noch die „Verschönung” von Privatpersonen zum Ziel haben, sondern dem Zweck dienen, ein bestimmtes Model so einzukleiden oder zu den Kleidern ein solches Model zu suchen, dass die entstehenden Bilder zur Veröffentlichung geeignet sind.

Diese Arbeit - unten - stellt eine Schnittstelle zwischen Personal Stylist und Stylist dar, weil man sehr wohl auf auf die Charakteristik der Models zu achten hat, diese aber nicht beraten, sondern in Szene setzen muss. Hier Bilder aus einer Fotostrecke für den Axel-Springer Verlag,

Thema: „Summerpink”.

Bemerkung: Die obenstehende Präsentation der unterschiedlichen Aufgaben eines Personal Stylist stellt nur eine kleine Auswahl von Fallbeispielen dar und beinhaltet ausschließlich solche Fälle, zu deren Veröffentlichung die teilnehmenden Personen ihr Einverständnis gaben. Namen wurden nur dann genannt, wenn die abgebildeten Pesonen damit einverstanden waren. Sämtliche Beispiele sind echte, durch Aufträge zustande gekommene Beratungen und wurden nicht für diese Präsentation organisiert. Alle Bilder sind unretouschierte Bilder, die hier nur zur Veranschaulichung des Beschriebenen und von Arbeitsvorgängen dienen. Sie stellen lediglich einen Teil der während der jeweiligen Arbeiten gemachten Werkbilder oder Portfolio-Teile dar.

"Geschmack bildet sich. Leidenschaft muss da sein… Und man stellt sich den großen Glamour bei uns vor, den wir ja auch transportieren. Aber wenn wir an unseren Shootings arbeiten, tragen wir keine High Heels; da geht es nicht um uns, sondern um das, was wir schaffen." (VOGUE-Chefredakteurin Christiane Arp im Interview zur Buchpublikation "Special Interest")