Personal Stylist

Personal Stylist zu sein bedeutet in erster Linie, Kunden dahingehend zu beraten, was ihrem Typ am besten steht. Personal Styling ist ein Teilbereich der Tätigkeit eines Stylisten. Die Tätigkeit ist auf die Kundenwünsche ausgerichtet.

Ein Personal Stylist ist vor allem ein Image-Berater von Privatpersonen. Im Gegensatz dazu besteht die Arbeit eines Stylisten im Allgemeinen darin, mithilfe eines Profiteams gekonnt Mode in Szene zu setzen. Die Mitwirkenden sind in der Regel Profis, sowohl die Models und Fotografen als auch die Kunden, sprich Medien oder Fashionlabels.

Oft begleiten spezialisierte Personal Stylisten auch Geschäftsmänner und -frauen oder Prominente als Personal Shopper. Dies ist eine wunderbare Bereicherung des Jobs und bietet neben Glamour die Möglichkeit, im Business voranzukommen. „With personal shopper, there's tons of room for growth, sagt Tag Goulet aus Kanada, die dort Kurse anbietet. Sinngemäß übersetzt bietet der Beruf des Personal Shoppers also viel Raum für Wachstum.

 

Personal Stylisten sind meistens freiberuflich tätig. Viele bieten die Farb-, Mode- und Stilberatung oft als Zusatzdienstleistung in ihrem bestehenden Beruf etwa in einem Beauty-Salon oder einem Bekleidungsgeschäft an. Diese Berater sehen in einer professionellen Styling-Ausbildung die Möglichkeit, ihr Kompetenzspektrum zu erweitern. Ein Beraterjob in der Beautywelt ist sehr anziehend, denn für eine Ausbildung zum Stylisten bedarf es in der Regel keiner speziellen Vorbildung oder beruflichen Ausbildung. Auch die Berufsbezeichnung Berater oder Stylist bedarf keiner Qualifikationen. Das ist Vor- und Nachteil zugleich.

Viele Stylist-Studenten möchten ihren alten Job an den Nagel hängen, um in einem kreativen Job komplett neu zu starten und sich einen Traum zu verwirklichen. Andere Studenten sind Fashionistas und haben durch ihren guten Geschmack im engeren Freundeskreis bereits erste Erfolge gefeiert. All diese Menschen spüren den Drang in sich, dazuzulernen und als Personal Stylist zu arbeiten. (Links: Blond oder rot? Was würden Sie denn mir empfehlen? ALs Personal Stylist muss man der Theorie, aber auch dem Bauchgefühl vertrauen können.)


Welches Fachwissen braucht ein Personal Stylist?

Um als professioneller Personal Stylist zu arbeiten, ist umfangreiches Wissen auf dem Gebiet des Stylings, der Farbberatung, der Dresscodes und der Figurentypen unerlässlich. Als Personal Shopper, sprich als Einkaufsbegleitung oder Image-Berater, müssen Sie Frauen und Männer individuell und schlagfertig bei der Auswahl der Bekleidung unterstützen. Das setzt wiederum ein hohes Maß an Kreativität, Einfühlungsvermögen und Soft Skills im Umgang mit Kunden sowie ein aktuelles Wissen über Modetrends voraus.

Bestens geeignet ist der Job auch für Hausfrauen. Wer weder in einen Minijob noch in einem MLM-System arbeiten möchte, für den ist der Beruf des Personal Stylists etwas sehr Inspirierendes. Laurie Ely, in den USA bekannt als Laurie the Shopping Lady, ist dreifache Mutter und fing vor zehn Jahren in Chicago an, Personal Shopping anzubieten. Sie wollte etwas mit Mode machen, was in ihren Tag als Vollzeitmutter passt. Die USA sind für professionelle Shoppinghilfe bekannt. Dieser schnell wachsende Dienstleistungszweig generierte schon vor einer Dekade 1,2 Milliarden Dollar Umsatz. In Übersee bietet fast jedes Modelabel sowohl Personal Styling und Shopping als auch Gratis-Imageberatung für seine Kunden an. Ebenso selbstverständlich ist in den USA, dass man ausgewählte Kleidung zur Anprobe mit nach Hause nehmen kann. (Rechts: meine Anfänge 1987, Beratung in einem Herrensalon.)

Die USA gelten in der Modewelt als Quelle vieler ausgefallener Businessideen, die später in Europa übernommen werden. In den USA lassen sich Politiker, Schauspieler und Musiker nicht nur beraten, sondern oft auch zu einer Marke aufbauen. Madonnas Stylistin verdient laut Medienberichten pro Tag 50.000 Dollar! Es ist in den USA keine Besonderheit, wenn jemand seinen eigenen Psychologen und seinen eigenen Stylisten beschäftigt. Der große Boom der Farb- und Stilberatung, der bereits in den 1980-ern in den USA ein Hit war, schwappte in den 1990-ern nach Deutschland herüber. Personal Shopping und eine an der Persönlichkeit orientierte, psychologisch basierte Image-Beratung nach US-Ausmaßen ist in Europa allerdings untypisch. Hier arbeiten Stylisten eher im Verborgenen und sind keine Stars. Es ist aber gut möglich, dass dem Hype der Fashion-Blogger in Europa ein Hype um die Personal Stylisen folgen wird.

Welche Tätigkeiten umfasst die Beratung?

Man könnte natürlich sagen – und hätte Recht damit –, dass jede Beratung anders ist, orientiert sie sich doch am Bedarf der Kunden. Es gibt aber eine übliche, praktische Vorgehensweise.

Wie in jedem sonstigen Verkaufsgespräch auch, ist die Bedarfsermittlung der erste Schritt. Oft weiß ein Kunde weder genau, was er möchte, noch welche Leistungen er in Anspruch nehmen kann. Man muss also zunächst klären, ob es um eine einmalige Analyse geht, oder darum, die ganze Garderobe zu durchforsten und teilweise auszutauschen, ob der Kontakt einmalig oder längerfristig sein soll, ob man als nur als Personal Stylist oder auch als Personal Shopper fungieren soll, ob man Vorschläge machen und ausgewählte Outfits kaufen soll oder ob man den Kunden beim Einkaufen begleiten soll?

Beim ersten Gespräch klärt sich bereits mehr, als man denkt. Baut sich kein Vertrauen oder keine Sympathie auf, ist es besser, nicht weiterzuarbeiten. Während des ersten Treffens fungiert der Berater auch als Psychologe. Er erörtert die Charakteristik des Kunden. Das ist nicht nur deshalb wichtig, um die kommenden Aufgaben zu ermitteln, sondern auch, um ein Gespür dafür zu bekommen, wie man mit dem Kunden sprechen und welche Image-Änderung man ihm zutrauen kann. Wie in einem mündlichen Test fragt man nach den Wünschen: Sollen wir die persönlichen Farben testen? Die Problemfigur mit günstigen Schnitten kaschieren? Ein neues Kleid für die Mutter der Braut gleich mit aussuchen? Die Frisur umstylen und den Kunden zum Friseur begleiten? Und so weiter. Nach all diesen Analysen hat der Personal Stylist eine sehr konkrete Vorstellung von seinem Kunden und bereits erste Ideen, in welchen Bereichen er nachhelfen muss.

In der ersten „richtigen“ Arbeitssitzung ist dann meistens die Farb- und Stilanalyse dran. (Rechts: die Kundin "kontrolliert" anhand ihrer Tücher nach der Beratung, ob ihr bestimmte Farben passen.) Hierbei wird die Zugehörigkeit des Kunden zu einem bestimmten Farbtyp und seine individuelle Farbpersönlichkeit ermittelt. Passen Kleidung, Schmuck, Haarfarbe und Make-up in das individuelle farbliche Gesamtbild einer Person, dann wird sie von der Umwelt positiv wahrgenommen. Umgekehrt fühlt sich auch die Person besser aussehend. Bereits in dieser Phase kann man mit ersten Aha-Erlebnissen rechnen, was eine gute Grundlage für den Ausbau des Vertrauensverhältnisses ist. Viele Kunden fühlen sich im Nachhinein so energetisiert, dass sie das „Ausmisten“ des Kleiderschrankes und neue Einkäufe wünschen.

Doch bevor dies Sinn macht, muss der persönliche Stil getestet werden. Wir alle neigen, vor allem unter bestimmten psychischen Bedingungen, zu speziellen Farben. Das ist bei jeder individuellen Beratung in Betracht zu ziehen: Ist meine Bekleidung ein Statement? Oder meine Visitenkarte? Oder einfach nur die Bedeckung des Körpers? Will ich auffallen oder lieber nicht? Bin ich trendy oder klassisch? Mag ich schrille Muster oder bin ich ein dezenter Typ mit Ton-in-Ton Kleidern? Diese jeweilige Vorliebe muss der Personal Stylist nun mit der festgestellten Eigencharakteristik des Kunden in Einklang bringen. Eine typgerechte Beratung unterstützt die optimale Zusammenstellung der Garderobe, passend zu den Schattierungen von Haut und Haaren wie auch zur körperlichen Veranlagung. Und das sowohl für die Freizeit (Casual) wie auch fürs Büro (Business Casual). Im Rahmen dieser umfassenden Beratung spielt auch die Frage eine Rolle, welche Dessins und Details (Ausschnitte, Stoffstrukturen u.a.) und Accessoires für die adäquate Garderobe passen. Im nächsten Schritt werden Modestile und Passformen analysiert und zusammengestellt. Der Dress Code gibt die akzeptierten Farben und Kleidungsstile für verschiedene Anlässe vor.

Ist die Beratung und damit der Job des Stylisten beendet, stellt er in aller Regel eine Styling-Mappe zusammen, in der alle Ideen und Analysen zusammengefasst sind. Diese kann z.B. Stoffmuster und Modebilder bekannter Designer, aber auch vom Kunden gemachte Vorher-Nachher-Fotos enthalten. Man kann das Ergebnis der Analyse aber auch als pdf-Datei zuschicken. Dann fasst der Berater in einem e-Lookbook seine Tipps zusammen und übergibt mithilfe von Beschreibungen, Zeichnungen und Fotos ein System, anhand dessen der Kunde später auch alleine zurechtkommt.

Im Unterschied dazu wünscht sich der Kunden beim Personal Shopping zuerst einmal einen Begleiter, mit dem er gemeinsam shoppen gehen oder im Internet Looks aussuchen kann. Hierbei bekommt der Kunden ein Gefühl für Farben und Schnitte. Ist der Berater pädagogisch veranlagt, kann er hier noch einmal die Meilensteine der Farb- und Stilberatung an konkreten Beispielen erläutern. Personal Shopping erfordert Psychologie und Offenheit, weil die wenigsten Kunden die Traumbodys und Gesichter von Models besitzen. Sollte der Berater auch bestimmte Läden vorschlagen, muss er sich in der Modewelt und in den Trends up-to-date auskennen. Oft kommt man nicht um die Maßschneiderei herum. In diesem Fall muss der Styling-Berater selbst Kenntnisse zu Stoffen und Schnitten besitzen. Erst wenn all das zur vollsten Zufriedenheit des Kunden geführt hat, kann der Personal Stylist erwarten, dass der Kunde ihm vertraut und ihn allein für sich einkaufen lässt.